
Bild aus RAW mit Tone Mapping erzeugt (Belichtungseinstellung -4, -2, 0, +2, +4)
HDRi (High Dynamic Range Image) ist eine Bilddatei, die einen sehr hohen Dynamikumfang aufweist, welcher in der Regel weder am Monitor darstellbar bzw. druckbar ist. Solch eine Aufnahme bekommt man mit (noch sehr teueren) Spezialkameras oder durch mehrfaches Belichten mit einer Digitalkamera und anschliessendes Zusammenfügen (wird im Folgenden noch erläutert). Diese HDRi-Dateien haben den den Vorteil, dass Sie alle Bildinformationen von den tiefen Schatten bis zu den Lichtern enthalten.
Der Kontrastumfang einer Aufnahmesituation kann sehr schnell den eines Filmmaterials bzw. des digitalen Sensors übersteigen. Die Folge sind fehlende Bildinformationen in den ganz dunklen bzw. ganz hellen Bildteilen, die auch mit Bildverarbeitung nicht zufriedenstellend herausgearbeitet werden können. Mit verschiedenen HDR-Techniken kann der aufgenommene Kontrastumfang erhöht werden. (Der Kontrastumfang ist der Dynamikumfang des Motives, der Unterschied zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle im Motiv). In der Natur treten Kontrastverhältnisse von bis zu 1:1.000.000 auf. Das Auge kann bis zu 1:10.000, digitale Kameras 1:4000, Monitore 1:1000 und der Druck 1:100 darstellen).
Tone Mapping nennt man das Herunterrechnen eines HDRi Bildes auf einen Dynamikumfang, der darstellbar und druckbar ist. Für dieses Tone Mapping gibt es spezielle Software (Bsp: Photomatix). Bei diesem Prozess gibt es viel Spielraum für den eigenen Geschmack bei der Einstellung der Parameter.
Aufnahme mit mehreren Belichtungen: Eine Belichtungsreihe für HDRi-Bilder umfasst mindestens 3 Aufnahmen (besser 5,7,9), wobei die erste so “dunkel” belichtet, dass alle Details in den Lichtern zu erkennen sind und die dunkelste Belichtung so, dass alle Details auch in den tiefsten Schatten erkennbar sind.
Folgendes beachten:
- Fotografieren mit Stativ (die unterschiedlichen Aufnahmen müssen genau deckungsgleich sein)
- manuelle Kameraeinstellung für Zeit und Blende wählen (Modus “M”)
- Die Blende wäred der Belichtungsreihe nicht verändern, sonst ändert sich die Schärfentiefe, und die Bilder sind nicht mehr deckungsgleich.
- Durch verändern der Belichtungszeit in 1-2 Lichtwertschritten die Belichtungsreihe durchführen (zum Beispie: 1sec, 1/4sec, 1/15sec, 1/60sec, 1/250sec). Dabei sollen bei der dunkelsten Belichtung alle Details der Lichter klar zu erkennen sein, bei der hellsten Belichtung alle Details in den Schatten.
- auch die Focussierung darf wärend der Belichtungsreihe nicht verändert werden. Am besten zu Beginn scharf stellen und dann den Autufocus abschalten.
- Der Weissabgeleich muss auch fest eingestellt werden (nicht Automatik), damit alle Aufnahmen die gleiche Farbe haben.


HDRi aus RAW Dateien: Bewegte Bilder lassen sich natürlich nicht mit mehreren Belichtungen realisieren. Viele aktuelle DSLRs haben jedoch bereits einen ganz akzeptablen Dynamikumfang, der zwar im JPEG nicht abgebildet wird, aber in den RAW Dateien enthalten ist. In den gängigen Bildverarbeitungsprogrammen wie Photoshop oder Lightroom lassen sich nun aus einem RAW-File mehrere unterschiedliche “Ausbelichtungen” rausrechnen, die zusammen den Dynamikumfank abbilden. Ab Photoshop CS5 kann man HDR-Bilder auch direkt aus dem RAW rendern oder alternativ in HDR-Programmen wie Photomatix mit Tone Mapping bearbeiten.
Etwas über die Ästhetik von HDRi Dateien nach dem Tone-Mapping: Sinn des Tone-Mappings ist es, Bilder mit hohem Dynamikumfang (also vielen Informationen in den Lichtern und Schatten) auf herkömmlichen Monitoren oder Druckern darzustellen. Die Bildbereiche der sehr hellen und sehr dunklen Informationen werden so aufbereitet, dass sie sichtbar werden. Man komprimiert also die Bilddynamik (Tone-Mapping). Eines Tages wird es HDRi Monitore geben. Dann können solche Aufnahmen verlustfrei betrachtet werden. Daraus folgt, dass ein “gutes HDR-Foto” eines ist, dem man die Komprimierung kaum ansieht. Nun hat sich in den Communities ein Stil verbreitet, der die extreme Komprimierung als fotografischen Stil etabliert. Solche Bilder sehen dann etwas wie stilisierte Gemälde aus.
Hier ein Beispiel: Diese Aufnahme vom Bodesee in Konstanz wurde in RAW aufgenommen (Canon EOS 5 MK2). Ich habe 4 Dateien aus dem RAW rausgerechnet, die zusammen alle Informationen enthalten:

Hier nun das von mir in Photoshop CS5 gerenderte HDRi:

Ich habe den Effekt leicht verstärkt (Farben gesättigt) aber darauf geachtet, dass ein wenig Kontrast erhalten bleibt und die Säume um die Kontrastkanten gering bleiben.
Hier nun ein Beispiel übertriebener HDRi Umsetzung:

zugegeben ein lustiger Effekt, aber unterm Strich nicht mehr als eben ein “Effekt”. Typisch hierfür sind die hellen Ränder um die Kontrastkanten, übertriebene Farbsättigung und fast kein Kontrast (helle Bildbereiche sind kaum heller als dunkle). Für ernsthafte Bildumsetzung ist diese Art nicht geeignet. Genau so werden aber die meisten “HDRs” im Internet präsentiert.
Fazit: nicht mitmachen! besser machen!